Bleigießen. Für manche einfach nur
Unfug, für andere ein wichtiger Brauch zur Voraussage des neuen
Jahres. Ob wir jetzt nun daran
glauben, sei dahingestellt – auf jeden Fall hat sich Bleigießen in
unserer Familie brav hinter den Restaurantbesuch und das
Wunderkerzen-Zünden als fester Bestandteil angereiht.
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| Sieht aus, als wär der Käfer aus dem Großen Krabbeln entwischt... |
Und jedes Jahr ergeben sich in der
Familie wunderbare Figuren. Meine Mutter scheitert meistens und
fischt entweder nur kleine Blei-Einzelteile aus dem Wasser oder
Figuren, die man keiner einzigen Figur zuordnen kann. Meine Oma gießt
meistens Figuren, die sich auf den Deutungs- Zetteln ungern lesen
lassen (aka "falsche Freunde" oder "Geldnot") und
mein Papa fischt Dinge aus dem Wasser, dessen Deutung man ebenso
wenig laut vorlesen sollte (aka "heimliche Liebe"). Die
Deutung meiner Figuren ist oftmals noch glaubwürdigsten zu lesen. So
hatte ich letztes Jahr eine Figur gegossen, die, wenn man dessen
Schatten betrachtet, eindeutig als Käfer interpretieren kann. Das
Jahr 2011 versprach mir demnach "nette Liebesbekanntschaften".
Vielen lieben Dank, Bleikäfer... Denn so seltsam das klingt, aber
2011 waren die Liebesbekanntschaften wirklich zum ersten Mal bloß
"nett" und nichts anderes. D.h. was ernstes wurde das alles
nichts. Grummelnd erhoffte ich mir, dass ich für 2012 nicht wieder
einen Käfer gießen würde und gab mir beim Bleigießen besonders
viel Mühe. Und tatsächlich. Mein Tier für 2012 las sich schon
wesentlich besser: "Schildkröten bedeuten Gesundheit, Erfolg,
Liebe, Geborgenheit und Glück".
Sicher, Bleigießen sollte als reiner
Spaß angesehen werden, aber andersseits – dass die Prophezeiung
eintreffen kann, bedarf ebenfalls keinem großen Hexenwerk. Das Zauberwort heißt "Selbsterfüllende
Prophezeiung".






