Dienstag, 13. September 2011

SHELL

Unser Leben ist ein Abdruck unserer Erfahrungen. Unsere Erfahrungen sind in unseren Erinnerungen bewahrt. Was aber, wenn wir die Möglichkeit hätten, uns an etwas zu erinnern, was wir in Wirklichkeit nie erlebt haben? 

... wie das Rauschen der Muschel.



Mit dem Kurzfilm "Shell" erleben wir dieses Gedankenexperiment. Das ist so wie das Rauschen des Meeres, das man hört, wenn man eine Muschel an sein Ohr drückt. Es gibt Menschen, die waren noch nie am Meer. Sie würden das Geräusch in der Muschel zum ersten Mal hören. Stell dir vor, die Muschel hält etwas anderes fest als das Meeresrauschen. Mehr als nur ein Geräusch, sagen wir, eine Erinnerung. Etwas, das wir in unserem Leben bis dahin noch nicht erlebt oder gespürt haben. Was wäre das für eine Erinnerung?

Meine Erinnerung würde sich wohl in einer warmen klaren Sommernacht abspielen. Mit dem Fahrrad würden wir auf einen Hügel, frei von dem Lärm der Straße oder blendenden Straßenlaternen. Nur der Nachthimmel und ein Lagerfeuer würden ein wenig Licht in die Dunkelheit bringen. Da das kleine Feuer immer mehr an Wärme verliert, würde ich mich irgendwann in seine Jacke einkuscheln. Bald würde sein Geruch den des frischen Grases übertönen. Wir würden nach Sternenbildern suchen und vor uns hinphilosophieren. Bis über kurz oder lang Stille einkehren würde...

Huch! Da wär ich ja fast in meinen Tag- (oder wohl eher Abend) Träumen versunken...
An was würdest DU dich gerne erinnern?

Kommentare:

  1. oh wie schön!

    Wenn ich meine Muschel ans Ohr halten würde, dann würden dort Geräusche einer turbulenten Stadt auftauchen: Hong Kong. Es ist etwa 23 Uhr. Wir sind gerade mit dem Flieger gelandet. Voller Vorfreude sehe ich mir die schimmernden Lichter dieser menschenerfüllten Stadt an. Ich bin aufgeregt, was mich in Chinas Metropole erwartet und fange schon an fleißig Bilder zu knipsen. Denn ich mag jeden Augenblick festhalten für das Projekt "Pictures of the World". Ich drücke die Hand meines Freundes und schau ihm in die Augen. Damit signalisiere ich, dass ich unglaublich froh bin, ihn bei dieser Erlebnisreise an meiner Seite zu haben! Hong Kong war dabei erst die erste Station und ich erinnere mich noch heute wie damals, was es für ein unglaublich angenehmes Gefühl war, voller Vorfreude schon daran zu denken, eine Woche später im Flugzeug Richtung Singapur zu sitzen ....

    *hach* diese Erinnerung wäre wirklich wunderbar!

    Das Video ist süß gemacht! Ich mags!

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  2. Woah, was für ein schöner Post, den hab ich ganz übersehen *_*

    Meine Erinnerung...
    Sie würde sich in der Zukunft abspielen, in einer weit entfernten Stadt. Es ist Winter, und bald ist Weihnachten, und ich fühle mich ziemlich einsam weil ich noch nicht lange dort bin und kaum jemanden kenne.
    Ich gehe alleine durch verschneite Straßen nach Hause, es ist dunkel aber ich habe keine Angst, denn ich mag die Stadt und fühle mich wohl.
    Dann begegne ich einem fremden Menschen. Durch Zufall kreuzen sich unsere Blicke, und für einen Moment erscheint mir alles wie in Zeitlupe, während ich sehe wie sich seine Mundwinkel nach oben richten und er mir ein Lächeln schenkt.
    Bevor ich bewusst reagieren kann, lächle ich automatisch zurück, obwohl ich total perplex bin.
    Der Moment dauert nur ganz kurz an, schon sind wir wieder aneinander vorbeigegangen... aber ich spüre wie sich in meinem Körper ein wunderbares Gefühl der Wärme ausbreitet während ich meinen Weg fortsetze, und das Lächeln auf meinen Lippen bestehen bleibt.

    Sich sowas vorzustellen ist irgendwie schön, mal was anderes als das was ich sonst mache, nämlich mir immer nur Worst-Case Szenarien für meine Zukunft auszudenken XD

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  3. boaaah, eure Erinnerungen klingen so schön :D Und alle ganz anders. Ich find den Film so toll... Und die Musik. Und den Autor des Kurzfilms.

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