Sonntag, 8. Januar 2012

Von bleiernen Käfern und selbsterfüllenden Prophezeiungen


Bleigießen. Für manche einfach nur Unfug, für andere ein wichtiger Brauch zur Voraussage des neuen Jahres. Ob wir jetzt nun daran glauben, sei dahingestellt – auf jeden Fall hat sich Bleigießen in unserer Familie brav hinter den Restaurantbesuch und das Wunderkerzen-Zünden als fester Bestandteil angereiht.

Sieht aus, als wär der Käfer aus dem Großen Krabbeln entwischt...

Und jedes Jahr ergeben sich in der Familie wunderbare Figuren. Meine Mutter scheitert meistens und fischt entweder nur kleine Blei-Einzelteile aus dem Wasser oder Figuren, die man keiner einzigen Figur zuordnen kann. Meine Oma gießt meistens Figuren, die sich auf den Deutungs- Zetteln ungern lesen lassen (aka "falsche Freunde" oder "Geldnot") und mein Papa fischt Dinge aus dem Wasser, dessen Deutung man ebenso wenig laut vorlesen sollte (aka "heimliche Liebe"). Die Deutung meiner Figuren ist oftmals noch glaubwürdigsten zu lesen. So hatte ich letztes Jahr eine Figur gegossen, die, wenn man dessen Schatten betrachtet, eindeutig als Käfer interpretieren kann.

Das Jahr 2001 versprach mir demnach "nette Liebesbekanntschaften". Vielen lieben Dank, Bleikäfer... Denn so seltsam das klingt, aber 2011 waren die Liebesbekanntschaften wirklich zum ersten Mal bloß "nett" und nichts anderes. D.h. was ernstes wurde das alles nichts. Grummelnd erhoffte ich mir, dass ich für 2012 nicht wieder einen Käfer gießen würde und gab mir beim Bleigießen besonders viel Mühe. Und tatsächlich. Mein Tier für 2012 las sich schon wesentlich besser: "Schildkröten bedeuten Gesundheit, Erfolg, Liebe, Geborgenheit und Glück". 


Sicher, Bleigießen sollte als reiner Spaß angesehen werden, aber andersseits – dass die Prophezeiung eintreffen kann, bedarf ebenfalls keinem großen Hexenwerk. Das Zauberwort heißt "Selbsterfüllende Prophezeiung".